Ausstellung und Vorträge zum Karl-Barth-Jahr 2019: 24. März bis 12. Mai

Karl Barth 2019Im Turm der Rysumer Kirche wird ab dem 24. März eine einmalige Ausstellung gezeigt. Dieses Mal geht es nicht um Kunst, sondern um einen besonders für die reformierte Kirche sehr prägenden evangelischen Theologen. Auf 16 Tafeln werden Leben, Werk und Bedeutung des Schweizer Theologen Karl Barth vorgestellt.
Ist es gut, in einer Kirche einen Menschen so sehr in den Mittelpunkt zu stellen? Wir haben diese Ausstellung nach Rysum geholt, weil jede Beschäftigung mit diesem Menschen die Wahrnehmung der Wirklichkeit Gottes in unserer Zeit schärf.
Denn genau darum ging es Karl Barth: Gott ist nicht einfach nur ein menschliches Wunschbild. Der Gott, der uns in Jesus Christus begegnet, ist ein Gott, der von sich aus zu uns spricht.
„Gott trifft Mensch“ ist daher die Ausstellung überschrieben. Barth fand in der Zeit des Ersten Weltkriegs zu einem Neueinsatz in der Rede von Gott. Als Pfarrer setzte er sich damals aktiv für die Arbeitnehmerrechte seiner Gemeinde-glieder ein. Der Arbeiter hat nichts vom Krieg und muss nur darunter leiden. Daher lehnte er die Kriegsvorbereitungen der europäischen Mächte ab.
Umso mehr war er erschüttert, als er erlebte: Die evangelische Kirche in Deutschland begrüßte den Ausbruch des Krieges. Da fand er: Ein Gott, in dessen Namen man so einen Krieg beginnen kann, das ist nicht der Gott der Bibel. Wenn man den in der evangelischen Kirche gepredigten Gott so dazu missbrauchen kann, dann muss diese Predigt falsch sein. Ein Gott, der nicht verhindern kann, „dass seine Gläubigen … mit Mord und Brand übereinander herfallen … ist ein Götze. Er ist tot.“
Gott war für Barth dagegen „der ganz Andere“. Und so begann Barth, den für die Evangelische Kirche so wichtigen Römerbrief noch einmal im Ganzen neu zu lesen.

Nach dem Krieg erschien 1919 seine Römerbrief-Auslegung als Buch und fand große Aufmerksamkeit in Deutschland. Dabei ging es Barth darum, dass Gott nicht der Gott unserer Wünsche ist. Gott ist eine eigene Wirklichkeit. Und diese Wirklichkeit Gottes steht uns Menschen kritisch gegenüber.
Was Barth schrieb traf offensichtlich so sehr den Nerv der Zeit, dass er ab 1921 in Deutschland Professor für reformierte Theologie wurde. So prägte er als Ausbilder viele spätere Pastoren und auch manche Rysumer Pastoren.
In den Dreißiger Jahren lehrte er in Bonn und war in dieser Zeit entscheidend für die Ausbildung der Bekennenden Kirche, die sich gegen die Gleichschaltung der Kirche durch die Nazis wehrte. Es war im Wesentlich Barth, der die „Barmer Theologische Erklärung“ als Basis der Bekennenden Kirche verfasste. Auch der ehemaliger Rysumer Pastor Immer war daran beteiligt und sein in Rysum aufgewachsener Sohn schrieb das Protokoll zur Barmer Bekenntnissynode.
Als Barth 1935 vor den Nazis nach Basel ausweichen musste, blieb er doch eine wichtige „Schweizer Stimme“ in Deutschland. Auch zahlreiche Ostfriesen gehen nach Basel, um bei Barth zu studieren. Und sein insgesamt 9.000 Seiten umfassendes theologisches Hauptwerk, die „Kirchliche Dogmatik“, stand im letzten Jahrhundert wohl in fast jeder reformierten Pastorei im Studierzimmer.
Was an Barth bis heute so fasziniert, ist eben dieses „Gott trifft Mensch“. Er hat Mut gemacht, unser Menschsein von der Wirklichkeit Gottes her zu denken, wie sie uns in Jesus Christus begegnet.

 

Vorträge zum Karl-Barth-Jahr 2019:

9. Mai, 19.30 Uhr, Johannes A Lasco Bibliothek Emden
Gerne von Gott reden. Ein Gespräch mit Karl Barth
Prof. Dr. Klaas Huizing (Würzburg),
Anschließend Empfang der Evangelisch- Reformierten Kirche und der Stadt Emden

 

25. April, 19.30 Uhr, Gemeindesaal Rysum
Karl Barth:
Als Theologe Sozialdemokrat
und als Sozialdemokrat Theologe
Pastor Dr. Holger Balder

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