Wie ärgerlich ist die Kirchensteuer wirklich?

Vor Kurzem haben wir im Rysumer Kirchenrat und in der Gemeindevertretung über das Thema Kirche und Geld gesprochen. Mancher Ehrenamtliche wird angesprochen: „Die Kirche hat ja so viel Geld“. Wenn Mitglieder aus Kirchenrat und Gemeindevertretung dann erzählen, wie sie bei ihren Entscheidungen jeden Euro dreimal umdrehen müssen, weil die Aufgaben immer größer sind, als das Geld, das zur Verfügung steht, dann ernten sie oft ungläubiges Staunen.
Nur etwa ein Drittel der Kirchenglieder zahlt Kirchensteuer, weil Kinder, Schüler, Studenten, Rentner und Familienmitglieder, die keine Lohn- und Einkommenssteuer zahlen, auch keine Kirchensteuer entrichten.
tl_files/Rysum, Wybelsum, Logumer Vorwerk/bilder/GN2017091011/Sparkirche.jpg
Viele sind dabei auch der Meinung, dass sie sehr viel Kirchensteuer zahlen. Sie sehen auf ihrem Lohnzettel die Berechnung der Kirchensteuer und denken, dass sie diesen Betrag auch bezahlen müssen. Manche treten in diesem Irrglauben aus der Kirche aus. Nur wenige verstehen, dass dieser Betrag als Sonderausgabe zugleich die an den Staat zu entrichtende Steuer verringert. 

Und dies ist sogar ganz bewusst gewollt. Denn unsere Kirchensteuer ist nach dem Ersten Weltkrieg entstanden. Vor dem Ende des Kaiserreiches waren die Kirchen ein Teil der staatlichen Verwaltung gewesen. Daher lief auch die Finanzierung der Kirchen über den Staat.
Mit der Einführung der Weimarer Republik sollten Kirche und Staat strickt getrennt werden. Die Finanzierung der Kirche durch die Staatshaushalte musste ein Ende haben. Was sollte an seine Stelle treten?
Das erste Volksbegehren in der Geschichte Deutschlands machte dazu einen vernünftigen Vorschlag: Die Kirchen werden aus dem Staat ausgegliedert. Doch die staatliche Finanzverwaltung überweist an die Kirchen weiterhin den Anteil an Steuern, der für die Wahrnehmung ihrer Aufgaben notwendig ist.
Dabei sollte jeder selbst über die Verwendung dieses Anteils der Steuern entscheiden. Wenn Jemand Kirchenglied ist, geht dieser Betrag an die Kirche. Wenn Jemand nicht Mitglied in der Kirche ist und keine Kirchensteuer zahlt, dann geht dieser Steueranteil an den Staat. So sollte es finanziell keinen Nachteil geben, wenn ein Staatsbürger zugleich Kirchenglied ist.
Vom Prinzip her ist unsere Kirchensteuer also so angelegt, dass man durch einen Austritt aus der Kirche keinen finanziellen Vorteil hat. Diese Information war selbst den Rysumer Kirchenräten und Gemeindevertretern neu. Es war kaum zu glauben. Einige Mitglieder haben daher anhand von Steuerrechnern im Internet ihre eigene Kirchensteuerbelastung durchgerechnet; z.B. www.handelsblatt.com/brutto-netto-rechner. Zum Vergleich haben sie auch ihre finanzielle Belastung durchgerechnet, wenn sie nicht Kirchenmitglied wären. Und siehe da: Zum Erstaunen aller, machte der Unterschied nur einige wenige Euro aus.

Dieses Ergebnis machte auch noch einmal deutlich, weshalb kirchliche Amtshandlungen wie Beerdigungen nur für Kirchenglieder durchgeführt werden können. Finanzielle Gründe können für einen Kirchenaustritt nicht ausschlaggebend sein.
Bei einem Kirchenaustritt muss die Kirche daher immer davon ausgehen, dass der Betreffende die Überzeugungen seiner ehemaligen Gemeinde nicht mehr teilt. Man kann Niemanden kirchlich bestatten, von dem man ausgehen muss, dass er oder sie sich gegen die christliche Hoffnung entschieden hat. Niemand kann Pate sein, der oder die sich mit dem Kirchenaustritt gegen eine christliche Lebensauffassung gestellt hat.
In Freikirchen zahlt man in der Regel nach Selbsteinschätzung einen Gemeindebeitrag von 10 % des Einkommens. Bei Gemeindegliedern, die zu einer evangelischen Kirche gehören, ist dagegen nicht das Einkommen selbst, sondern nur die Einkommenssteuer, die sie zahlen die Bemessungsgrundlage. Die Kirchensteuer beträgt davon 9 %.
Außerdem ist sogar festgelegt, dass die Kirchensteuer insgesamt nicht mehr als 3,5 % vom Einkommen betragen darf. Die Mitgliedschaft in den Volkskirchen kostet daher für die meisten Gemeindeglieder sogar weit unter 3,5 % und ist daher günstiger als in den Freikirchen mit 10 %.
Dass die Lohn- und Einkommenssteuer in der Regel der Maßstab ist, ist insofern gerecht, als Menschen ohne Einkommen wie Auszubildende oder Rentner oder Menschen ohne oder nur geringem Verdienst dann keine Kirchensteuer bezahlen müssen.
Gerade für unsere Kirchengemeinden ist die Anzahl unserer Gemeindeglieder für die finanzielle Ausstattung unserer Gemeinden ausschlaggebend. Pro Gemeindeglied erhalten wir im Jahr 14,45 Euro aus dem Kirchensteuertopf. Das ist nicht viel und daher sind wir auf die Kirchenmitgliedschaft aller angewiesen.
Mit der Kirchensteuer allein, können wir gar nicht alle Aufgaben bewältigen. Daher stellt der Freiwillige Gemeindebeitrag, den wir einmal im Jahr erbitten eine entscheidende Säule unserer Haushalte dar.
Ihr Geld landet nicht in einer anonymen Verwaltung. Am 11. März wird in unserer Kirche wieder gewählt: Dann bestimmen Sie mit Ihrer Stimme über die Menschen, die in unseren Gemeinden und unserer Kirche die Haushalte aufsetzen und entscheiden, wofür Ihr Geld in Ihrer Kirchengemeinde und Kirche verwendet wird.

Zurück